DGB übt massive Kritik an Hochschulräten
Wenn man die alte Ordinarienhochschule oft als “Gelehrtenrepublik” bezeichnet hat, dann könnte man sagen, befinden wir uns seit ein paar Jahren auf dem Weg in die “Räterepublik”. In dieser Zeit breiteten sich nämlich überall auf der akademischen Landkarte sogenannte Hochschulräte aus, die wesentliche Entscheidungsfunktionen von den Landtagen und Hochschulsenaten übernehmen und Universitäten und Fachhochschulen strategisch steuern (sollen). Natürlich enden die Parallelen mit historischen Vorbildern beim Namen, denn Hochschulräte aktueller Prägung berufen sich auf einen ganz anderen Hintergrund. Sie sind der Versuch, das privatwirtschaftliche Modell der Aufsichträte auf die Hochschulen zu übertragen und damit ein logischer Ausdruck der Idee einer „unternehmerischen Hochschule“ ebenso wie ein Nachweis der Grenzen dieses Modells.
Denn während in Aufsichträten Leute sitzen, die entweder in ein Unternehmen investiert haben, oder aber die Beschäftigten des Unternehmens vertreten, fehlt diese direkte Verantwortung (und damit nicht selten die Kompetenz) zumindest bei den externen Mitgliedern der Hochschulräte völlig. Und die stellen, wie eine Studie im Auftrag der Böckler-Stiftung zeigt 60 % der Mitglieder.
Gegen diese Konstruktion wendet sich jetzt der DGB in einer Erklärung mit dem Titel „Mehr Demokratie statt „unternehmerischer“ Hochschulräte!“ Die Gewerkschaften kritisieren darin einerseits grundsätzlich das Programm der „unternehmerischen Hochschule“, diagnostizieren aber auch konkrete Schwächen der „Räterepublik“ Hochschule. Im Kern beklagen sie, es fehle den Hochschulräten an demokratischer Legitimation, an gesellschaftlicher Pluralität, an Transparenz und an fachlicher Kompetenz. Sie schlagen vor, die Hochschulräte zu beratenden Kuratorien umzubauen und bei der Steuerung die staatliche Verantwortung nicht aufzugeben, sie aber mit mehr innerer Demokratie in den Hochschulen zu kombinieren. Die Erklärung wurde schon in verschiedenen Medien aufgegriffen, hätte aber noch mehr Aufmerksamkeit verdient.
