Wie schneiden die neuen Exzellenzhochschulen bei den Arbeitsbedingungen ab?
Kaum etwas erregt so viel hochschulpolitische Aufmerksamkeit und auf keinem anderen Weg kann eine Hochschule mit einem Schlag ihren Stellenwert derart verändern wie durch die dritte Förderlinie der Bundesexzellenzinitiative. Eigentlich werden hier „Zukunftskonzepte“ ausgezeichnet, aber kaum jemand spricht von den Preisträgerinnen anders als von „den Exzellenzuniversitäten“. Metaphorisch werden sie als Leuchttürme gepriesen, was den Rest als graue, dunkle Ebene erscheinen lässt.
Wir haben an anderer Stelle bereits grundsätzlich Zweifel an der Berechtigung dieser Beschreibungen geübt und darauf hingewiesen, dass einige Spitzeninstitute – wie berechtigt diese Stellung auch sein mag – nicht gute arbeits- und Studienbedingungen in der Breite ersetzen. Das ist Anlass genug, einmal einen Blick darauf zu werfen, wie sich die frisch erkorene Zwölferschar denn im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen schlägt. Wir haben deshalb den Grad an Befristung und Teilzeit im sogenannten „Mittelbau“ für alle „Exzellenzunivertäten“ ausgerechnet und verglichen, wie sie sich gegenüber dem Durchschnitt aller Hochschulen verhalten. Die Zahlen basieren auf einer Sonderauswertung des statistischen Bundesamtes. Leider liegen uns die entsprechenden Daten nur für das Jahr 2009 vor. Das genügt aber in jedem Fall, um festzustellen, ob Forschungsexzellenz in den Augen der Preisrichter irgendetwas mit dem Faktor Arbeit zu tun hat. Aufgeführt sind die Unis jeweils in steigender Reihenfolge. Rot gekennzeichnet ist der Durchschnittswert aller Hochschulen im Jahr 2009.
Die TU München und die Uni Tübingen müssen hier leider außen vor bleiben. Werte von unter 8 beziehungsweise über 97 % Befristung sind nur durch falsche Daten zu erklären. Auch der Wert der LMU München ist verdächtig niedrig aber noch im Bereich des Möglichen. Von diesem Ausreißer abgesehen zeigt sich aber: Bestenfalls liegt der Grad an Befristungen wissenschaftlich Beschäftigter bei den Exzellenzunis im Durchschnitt; zum Teil aber auch deutlich darüber mit den Spitzenreitern Konstanz und Aachen in denen nicht einmal jede/-r zehnte Wissenschaftler/-in ohne Professur auf Dauer eingestellt ist.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Teilzeit. Nicht ungewöhnlich ist, dass eher technisch-naturwissenschaftlich geprägte Einrichtungen wie die TU München und die RWTH Aachen mehr Vollzeitbeschäftigte haben. Ingenieure wären wohl für eine halbe Stelle kaum zur Aufnahme einer Uni-Beschäftigung zu motivieren. Da ist schon eher der vergleichsweise hohe Wert der dritten technischen Universität aus Dresden eine Überraschung. Alle anderen Hochschulen aus der Exzellenzinitiative liegen zum Teil deutlich über dem Durchschnitt. 59 % bei Konstanz bedeutet: Gerade einmal 4 von 10 Wissenschaftler/-innen bekommen die volle Zeit bezahlt. Wie viele Stunden tatsächlich gearbeitet werden, steht bekanntermaßen auf einem ganz anderen Blatt (Stichwort: halbe Stelle, volle Arbeit).
Natürlich ersetzt dieses Schlaglicht keine eingehende Beschäftigung mit den Arbeitsbedingungen. Für eine komplette Bewertung spielen viele weitere Faktoren eine Rolle: z. B. die Länge der Verträge, die Wahrscheinlichkeit einer Anschlussbeschäftigung, die Unterstützung der Hochschule durch Zwischenfinanzierungen, usw. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass Exzellenz im günstigsten Fall nichts mit guten Beschäftigungsbedingungen für Wissenschaftler/-innen zu tun hat. Die häufig deutlich über dem Schnitt liegenden Werte können sogar so gedeutet werden, dass es dem Exzellenzstatus förderlich ist, wenn man möglichst viel befristet und Teilzeitstellen ausgibt. Das würde zu dem in Wissenschaftskreisen weit verbreiteten Vorurteil passen, je höher der Druck, umso besser die Ergebnisse. Dass zahllose Studien in eine andere Richtung deuten, hat bisher kaum jemanden eines Besseren belehrt. Es braucht daher leider nicht zu viel Phantasie, um zu vermuten, dass in der Exzellenzinitiative die Hochschulen die besten Karten hatten, die sich als besonders schlank, flexibel und „unternehmerisch“ darstellen konnten. Dass das mit besonders prekären Arbeitsbedingungen einhergeht, kann nicht überraschen. Es steht zu hoffen dass die Uni Konstanz, die in beiden Tabellen ganz weit vorne liegt (oder hinten, je nach Betrachtung), in dieser Hinsicht nicht stilprägend wird.


